Wenn Strom verbindet: Kabel, die Kontinente überqueren
Hunderttausende Kilometer Kabel ziehen sich quer durch die Landschaften unserer Welt. Meist bleiben sie unsichtbar, denn oft verlaufen sie unter der Erde oder unter dem Meer. Diese Leitungen überwinden Grenzen. In vielerlei Hinsicht: Sie verbinden Stromnetze, ermöglichen partnerschaftliche Zusammenarbeit und schaffen gemeinsame Lösung für die Energie von morgen. Nur wenige kennen den Begriff "Interkonnektor". Wir erklären, was diese Verbindungen sind und welche Rolle sie für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit spielen.
Interkonnektoren sind Stromleitungen, die Länder über Grenzen hinweg miteinander verbinden. Strom fließt so dorthin, wo er aktuell gebraucht wird. Wird in Deutschland zeitweise weniger Strom eingespeist, kann Strom aus Dänemark einspringen. Kommt es in Polen zu Engpässen, liefert das deutsche Netz Energie. Für die Energiewende sind diese Verbindungen wichtig. Sie tragen zu stabileren Strompreisen, stabileren Netzen und damit zu mehr Energiesicherheit bei. Die Grundidee solcher Zusammenschlüsse ist jedoch deutlich älter.
Vom Dreiländereck in die Welt
Anfang der 1960er Jahre entwickelten Deutschland, Frankreich und die Schweiz eine gemeinsame Schaltanlage: den „Stern von Laufenburg“. Dort verbanden sie erstmals nationale Stromnetze miteinander. Aus dieser Verbindung entstand der europäische Stromverbund. Er ist bis heute das größte zusammenhängende Stromnetz der Welt. Das Projekt zeigt, wie eng Energieversorgung, Stabilität und Partnerschaft zusammenhängen.
Alte Kabel. Neue Dringlichkeit.
Heute rücken diese Leitungen wieder stärker in den Fokus. Trotz bestehender Klimaziele basiert die weltweite Stromerzeugung weiterhin zu großen Teilen auf fossilen Energieträgern wie Braun- und Steinkohle oder Erdgas. Um Treibhausgasemissionen in Deutschland und weltweit zu senken, bleibt der konsequente Umstieg auf erneuerbare Energien der wichtigste Hebel. Damit wächst auch der grenzüberschreitende Stromhandel.
Bereits 2018 beschloss die EU, dass jeder Mitgliedstaat bis 2030 mindestens 15 Prozent seiner Stromerzeugung über Ländergrenzen hinweg transportieren können soll. Und mit Blick auf das Jahr 2050 kommen wir einer Realität immer näher, die eine Stromerzeugung ausschließlich aus Erneuerbaren abbilden kann. Doch, wo liegen die Herausforderungen?
Erneuerbare Energien sind ungleich verteilt
Erneuerbare Potenziale unterscheiden sich regional stark. In Europa dominieren Windkraftanlagen und gut ausgebaute Stromnetze. Bei den Energiepartnerschaften auf dem afrikanischen Kontinent finden sich andere Voraussetzungen: viele Sonnenstunden, hohe Windgeschwindigkeiten und große Flächen für den Ausbau erneuerbarer Technologien.
Die Vereinten Nationen schätzen, dass Afrika in den kommenden 15 Jahren deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen könnte, als der Kontinent selbst benötigt. Damit rückt weniger die Frage der Erzeugung in den Vordergrund, sondern die Nutzung von Überschüssen. Entscheidend ist, wie Länder mit Energieknappheit davon profitieren können.
Marokko investiert umfangreich in erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie. Bis 2030 möchte das Land schon rund 52 % seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen decken.
Marokko als Bindeglied
Marokko baut seit Jahren seine Solar- und Windenergie aus. Als einziges afrikanisches Land ist es über zwei Interkonnektoren mit dem europäischen Stromnetz verbunden. Die Seekabel verlaufen zwischen Tarifa auf spanischer und Fardioua auf marokkanischer Seite. Der Strom fließt überwiegend von Spanien nach Marokko. Doch auch Marokko konnte, dank der Stromleitung Spanien kurzfristig mit dringend benötigtem Strom aushelfen, als es auf der Iberischen Halbinsel im April 2025 zu einem großflächigen Stromausfall kam.
Internationale Stromverbindungen brauchen stabile Rahmenbedingungen
2022 unterzeichneten Frankreich, Deutschland, Marokko, Portugal und Spanien eine Absichtserklärung. Sie stellt den Austausch von erneuerbar erzeugtem Strom über Landesgrenzen hinweg in den Mittelpunkt. Für Marokko hat das strategische Bedeutung. Denn diese Verbindungen stärken das nationale Stromnetz und unterstützen Marokkos Rolle als Energie-Drehkreuz zwischen Afrika und Europa.
Zugleich zeigen sie, welche Bedeutung grenzüberschreitende Stromnetze für Energiepartnerschaften und den Ausbau erneuerbarer Energien haben.
Erfahren Sie mehr über die Arbeit der Deutsch-Marokkanischen Energiepartnerschaft PAREMA und die "Sustainable Electricity Trade Roadmap" (SET Roadmap), den Fahrplan für nachhaltigen Stromhandel zwischen Marokko und Europa.
Bereits seit 2009 zählen Interkonnektoren zu den drei zentralen Bausteinen der nationalen Energiestrategie.
Erfahren Sie mehr über die Rolle von Interkonnektoren mit der Deutsch-Marokkanischen Energiepartnerschaft PAREMA.